Büromöbel auswählen: funktionale Kriterien statt Gestaltung

Büromöbel auswählen: funktionale Kriterien statt Gestaltung

Büromöbel werden häufig als Einrichtungsthema behandelt. Im Arbeitsalltag erfüllen sie jedoch eine technische Funktion: Sie tragen Gewicht, strukturieren Materialien und bestimmen, wie effizient auf Unterlagen zugegriffen werden kann. Fehler bei der Auswahl zeigen sich nicht sofort, sondern schleichend – durch überfüllte Schränke, blockierte Türen oder zusätzliche Ablageflächen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren.

Eine belastbare Auswahl orientiert sich daher nicht an Optik oder Raumgefühl, sondern an Nutzung, Maßen und Dauerbelastung.

 

Kurzfassung

  • Akten und Materialien erzeugen planbares Gewicht
  • Schranktiefe entscheidet über ordnungsgemäße Ablage
  • Zugriffshäufigkeit bestimmt die Platzierung im Raum
  • Einheitliche Maße verhindern spätere Umorganisation
  • Zerlegte Lieferung ist im Objektbereich Standard

 

Stauraum planen heißt Volumen berechnen

 

Stauraum wird im Büro häufig unterschätzt. Ein Standardordner benötigt im Regal etwa acht Zentimeter Breite. Bereits 100 Ordner beanspruchen somit rund acht laufende Meter Stellfläche. Diese Rechnung ist unabhängig von Möbeltyp oder Raumgröße.

 

Wird das tatsächliche Volumen nicht vorab ermittelt, entstehen Engpässe. Ordner werden quergestellt, gestapelt oder ausgelagert. Das erschwert den Zugriff und führt dazu, dass Unterlagen nicht mehr an festen Plätzen liegen.

 

Eine sachliche Planung beginnt daher mit der Frage: Wie viele laufende Meter Ablage werden benötigt – nicht mit der Anzahl der Schränke.

 

Zugriffshäufigkeit bestimmt die Platzierung

 

Nicht alle Unterlagen werden gleich häufig genutzt. Tagesaktuelle Dokumente, Projektakten oder Arbeitsmittel müssen ohne Hilfsmittel erreichbar sein. Archivmaterial dagegen kann in oberen oder unteren Bereichen untergebracht werden.

 

Wer diesen Unterschied ignoriert, verschwendet nutzbare Flächen. Häufig genutzte Ordner landen zu hoch oder zu tief, während zentrale Zonen mit selten benötigten Materialien blockiert werden. Das kostet Zeit und erhöht die Fehleranfälligkeit im Arbeitsalltag.

 

Schrankmaße: Tiefe, Höhe und Türöffnung

 

Die Tiefe eines Schranks entscheidet darüber, ob Ordner vollständig eingestellt werden können. Für gängige Aktenordner sind mindestens 32 Zentimeter erforderlich. Unterschreitet ein Möbel diese Tiefe, ragen Ordner heraus oder müssen gedreht werden.

 

Neben der Tiefe ist auch die Türöffnung relevant. In schmalen Büroräumen führen ungünstige Maße dazu, dass geöffnete Türen Laufwege blockieren oder nur eingeschränkt nutzbar sind. Solche Probleme entstehen nicht durch mangelnden Platz, sondern durch ungeeignete Möbelabmessungen.

 

Gewicht und Tragfähigkeit realistisch einschätzen

 

Ein gefüllter Aktenordner wiegt je nach Inhalt vier bis fünf Kilogramm. Ein einzelnes Fach mit zehn Ordnern wird damit mit über 40 Kilogramm belastet. In einem voll bestückten Schrank summiert sich dieses Gewicht schnell.

 

Möbel, die nicht für diese Dauerlast ausgelegt sind, zeigen frühzeitig Probleme: Böden biegen sich durch, Türen schließen nicht mehr sauber, Scharniere verschleißen. Diese Effekte treten nicht schlagartig auf, sondern entwickeln sich über Monate.

 

Im Büro werden deshalb Materialien eingesetzt, die formstabil bleiben und gleichbleibende Belastung aushalten. Metall erfüllt diese Anforderung zuverlässig, insbesondere bei häufig genutzten Schränken und Archivmöbeln.

 

Einheitliche Maße als Planungsgrundlage

 

Unterschiedliche Möbelmaße erschweren spätere Ergänzungen. Wird zusätzlicher Stauraum benötigt, entstehen Versätze, Restflächen oder blockierte Zugänge. Besonders in kleineren Büros oder Archiven mit festen Gangbreiten ist das problematisch.

 

Einheitliche Schrankmaße ermöglichen es, Büromöbel zu ergänzen, ohne bestehende Stellflächen neu zu organisieren. Das reduziert Umbauten und verhindert, dass Arbeitsplätze temporär unbrauchbar werden.

 

Lieferung und Aufbau im Büroalltag

 

Im Büromöbelbereich ist die zerlegte Lieferung üblich. Sie reduziert das Transportvolumen und ermöglicht die Einbringung auch in Gebäude mit engen Treppenhäusern oder Aufzügen. Für Unternehmen hat das einen praktischen Effekt: Der Aufbau kann zeitlich gesteuert erfolgen.

 

Bei mehreren Möbelstücken lassen sich Räume nacheinander ausstatten. Arbeitsplätze bleiben nutzbar, und der laufende Betrieb wird nicht vollständig unterbrochen.

 

Typische Fehlplanungen und ihre Folgen

 

Viele Probleme im Büro entstehen nicht durch Platzmangel, sondern durch falsche Annahmen:

  • Stauraum wird zu knapp kalkuliert
  • Schranktiefe wird unterschätzt
  • Zugriffshäufigkeit wird ignoriert
  • Möbelmaße sind nicht aufeinander abgestimmt

 

Die Folge sind provisorische Lösungen: Kartons neben Schränken, zusätzliche Regale, blockierte Verkehrsflächen. Diese Zustände lassen sich meist nur mit erheblichem Aufwand korrigieren.

 

Fazit

 

Büromöbel erfüllen eine technische Aufgabe. Sie müssen Volumen aufnehmen, Gewicht tragen und Zugriff ermöglichen. Entscheidend sind daher Volumenrechnung, Schranktiefe, Tragfähigkeit und Maßsysteme. Wer diese Kriterien berücksichtigt, vermeidet spätere Umorganisationen und schafft Stauraum, der im Büroalltag dauerhaft nutzbar bleibt.